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Debütautorin mit über 40 – Ist es zu spät, ein Buch zu schreiben?

  • Autorenbild: Harlow
    Harlow
  • 8. Juli
  • 14 Min. Lesezeit

"Warum habe ich nicht viel früher damit angefangen, zu veröffentlichen?"

Wer mich ein bisschen besser kennt, hat diese Frage bestimmt schon mal aus meinem Mund gehört. Dahinter steckt eigentlich keine Frage, sondern eine Angst. Die Angst, dass es für mich zu spät sein könnte, um Bücher zu veröffentlichen. Diese Angst teile ich mit vielen anderen Schreibenden, die erst später im Leben ins Autorinnendasein starten. Warum es nie zu spät ist, du nicht zu alt bist fürs Debüt und wie der Einstieg in die Buchwelt als Autorin Ü40 gelingt, erzähle ich dir in diesem Blogbeitrag.



Debütautorin mit über 40 – Ist es zu spät, ein Buch zu schreiben?


Ältere Debütautorinnen? Gibt es!


Wusstest du, dass J.R.R. Tolkien 45 Jahre alt war, als er "Der kleine Hobbit" veröffentlichte? Mark Twain war bei seinem Debüt 41. Richard Adams veröffentlichte "Watership Down" im Alter von 52 Jahren. Toni Morrison war zwar noch 39 bei ihrem Debüt, aber wirklich erfolgreich wurde sie in ihren 40ern und 50ern. Ingrid Noll, eine der erfolgreichsten deutschen Schriftstellerinnen und Krimi-Autorinnen, begann erst im Alter von 55 Jahren mit dem Schreiben. Und eine meiner liebsten Autorinnen, Susanna Clarke, veröffentlichte ihr Romandebüt "Jonathan Strange & Mr. Norrell" mit Mitte 40. 


Wenn mein Debütroman erscheint, werde ich 43 Jahre alt sein und befinde mich, wie man sieht, in bester Gesellschaft. Dennoch ist die Zahl der bekannten Autorinnen, die erst später im Leben mit dem Schreiben und/oder dem Veröffentlichen beginnen, überschaubar. Von Verlagen hört man, dass jüngere Debütautorinnen bevorzugt werden. Schließlich investiert man einiges an Ressourcen in den Aufbau einer neuen Autorin und ihrer Karriere. Das sollte sich lohnen, indem diese Autorin noch über Jahre viele weitere Bücher schreibt, was schwierig wird, wenn sie schon bei Erscheinen des Debüts über 50 ist. 


Als ich mit Ende 30 beschloss, endlich etwas zu schreiben, das ich auch veröffentlichen kann, hatte ich das Thema Alter gar nicht auf dem Schirm. Das änderte sich, je tiefer ich in die Buchbranche einstieg und merkte, dass jüngere Autorinnen es scheinbar leichter haben. Nicht nur mit der Sichtbarkeit auf Social Media und dem Gewinnen treuer Fans, sondern auch bei Agentur- und Verlagsverträgen. Dann wurde ich 40. Diese Zahl scheint gesellschaftlich gesehen eine Schwelle zu markieren, zumindest für Frauen. Angeblich wird frau ab 40 unsichtbar, sprich: nutzlos. 


Seitdem hadere ich immer mal wieder mit meinem Alter. Aber zumindest, was das Autorin-Sein betrifft, lasse ich mich davon nicht aufhalten. Denn wir späten Debütautorinnen haben einiges zu bieten, das uns so schnell keiner nachmacht. Und wir sind bei Weitem keine Einzelfälle.



Warum viele Frauen erst mit Ü40 ans Schreiben denken


Viele Frauen kommen erst später im Leben auf die Idee, ein Buch zu schreiben und zu veröffentlichen. Ich sage bewusst “Frauen”. Natürlich gibt es auch sehr viele Männer, die erst mit über 40 ihre Schreibleidenschaft entdecken oder erst jetzt die Zeit dafür finden. Viele der genannten Gründe treffen auch auf sie zu. Aber mir begegnen häufiger Frauen, denen es so geht, und ich glaube, dass Frauen tendenziell öfter in diesem Alter etwas Neues wagen, neue Wege einschlagen, alte Träume wiederbeleben. Die Gründe dafür sind vielfältig. Hier einige der häufigsten.



  1. Lebenserfahrung und persönliche Reife


In einem gewissen Alter haben wir schon einiges erlebt, einige Krisen überstanden, sind uns selbst oft genug im Weg gewesen und haben viel gelernt. Wir haben jetzt mehr Geduld und Ausdauer als vor zwanzig Jahren. Wir nehmen uns Kritik nicht mehr so zu Herzen, denn wir wissen inzwischen ziemlich gut, was wir können und was noch nicht. Wir zweifeln immer noch manchmal an uns, aber insgesamt haben die Selbstzweifel Platz gemacht für Selbstvertrauen


Wir trauen uns jetzt mit über 40 zu, ein Buch schreiben zu können, das unterhaltsam und tiefgründig ist. Wir trauen uns zu, bis zum Ende durchzuhalten und uns von Kritik nicht aus der Bahn werfen zu lassen. Wir geben nichts mehr auf die Stimmen in unserem Leben, die die Schriftstellerei für Kinderkram halten. Jetzt haben wir die nötige Reife, den Mut und die Kraft, die Sache anzugehen.


  1. Familiäre Verpflichtungen nehmen ab


Besonders als Mutter stellen wir meist jahrelang die eigenen Wünsche und Bedürfnisse hintenan und erinnern uns erst, wenn die Kinder größer sind, dass da doch mal dieser Traum vom Bücherschreiben war. Wenn wir nicht mehr ständig Windeln wechseln, Buch vorlesen und das Kind zu Vereinen und Playdates fahren müssen, haben wir plötzlich Zeit und Aufmerksamkeit übrig. Jetzt sind wir mal dran.


Wir holen die verstaubten Notizbücher oder alten Dateien hervor (wenn wir früher schon geschrieben haben) oder schreiben vor dem Abendessen ein paar Zeilen auf, die uns in den letzten Tagen im Kopf herumschwirrten. Plötzlich fragen wir uns: "Warum eigentlich nicht?" Und während das Kind beim Fußball ist, bei einer Freundin übernachtet oder auf Klassenfahrt fährt, schreiben wir diese Geschichte auf, die in uns steckt, Seite für Seite, und irgendwann ist es tatsächlich ein fertiges Manuskript.


  1. Berufliche Stabilität oder Neuorientierung


Wir haben die Ausbildung gemacht, das Studium abgeschlossen, einige Jahre Berufserfahrung gesammelt und sind jetzt beruflich da angekommen, wo wir hin wollten. Zeit, die eigenen Kapazitäten in andere Dinge zu stecken. Zum Beispiel in den Traum vom Schreiben und vom eigenen Buch.


Oder aber der eingeschlagene Berufsweg passt nicht mehr, war von vornherein falsch gewählt oder und das geht leider vor allem Müttern so wird von der Arbeitgeberseite her unattraktiv und unvereinbar gemacht. Im Zuge der beruflichen Neuorientierung merken wir, dass wir lieber etwas tun würden, das uns selbst mehr dient als irgendeiner Firma, die es uns sowieso nicht dankt. Etwas wie … Bücher zu schreiben und zu veröffentlichen


  1. Veränderte Lebenssituation


Manchmal liegt es nicht in unserer Hand. Dinge passieren. Einschneidende Ereignisse wie eine Entlassung, eine Trennung, ein Unfall oder Krankheit, aber auch schöne Ereignisse wie eine Geburt, ein Gewinn, eine Therapie oder eine wunderbare Begegnung bringen unser Leben durcheinander und lassen uns alles in einem anderen Licht sehen. Je älter wir sind, desto mehr Gelegenheit hatte das Leben, uns in neue Situationen hineinzuwerfen. Nicht selten spüren wir auf einmal den Drang, die Erfahrung schriftlich festzuhalten. Um sie besser zu verarbeiten, sie mit anderen zu teilen oder anderen zu helfen. 


  1. Der Wunsch, eigene Erfahrungen und Wissen weiterzugeben


Passend zu Punkt 4, aber nicht von einschneidenden Ereignissen hervorgerufen: Wir haben besondere Erfahrungen gesammelt oder uns über Jahre Fachwissen angeeignet, und möchten dies in irgendeiner Form weitergeben. Wir schreiben ein Sachbuch oder wir verpacken alles in einen Roman, den nur wir mit unserer jahrelangen Erfahrung so schreiben können. 


  1. Neue Möglichkeiten


Dieser Punkt ist nicht zu unterschätzen. Als wir Anfang 20 waren, gab es vielleicht gerade mal das Internet und wir hatten PCs. Abspeichern mussten wir alles auf Disketten, später auf CD-Rom. Bücher kamen von Verlagen. Um selbst eins zu veröffentlichen, mussten wir uns bei Verlagen bewerben, mit einer vernichtend geringen Chance, unter Vertrag genommen zu werden. Wenn wir damals den Traum hatten, Autorin zu werden, gab es unglaublich viele Hürden und Gatekeeping zu überwinden.


Dann kamen E-Books, Selfpublishing, Print-on-Demand. Inzwischen ist kein Verlag mehr nötig, um ein Buch zu veröffentlichen. Natürlich sind nun andere Dinge wichtig, andere Hürden entstanden. Aber die Möglichkeiten, ein eigenes Buch zu schreiben und zu veröffentlichen, sind heute definitiv besser.


  1. Der richtige Zeitpunkt


Viele von uns, die Bücher schreiben, waren in jungen Jahren Leseratten und Bücherwürmer. Und vielleicht haben wir auch damals schon selbst geschrieben. Doch dann waren andere Dinge wichtiger. Schule, Ausbildung, Beruf, Familiengründung, Karriere, … Also haben wir das Schreiben (und häufig auch das Lesen) auf später verschoben. Und jetzt, mit über 40, spüren wir, dass der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Selbst wenn wir noch mittendrin stecken, beruflich noch nicht ganz angekommen sind, die Kinder noch nicht ganz so selbstständig sind und eigentlich noch so viel anderes zu tun ist. Wir spüren einfach: Jetzt ist die Zeit, zu Büchern zurückzukehren. Also tun wir genau das.


Bei mir war es von allen Punkten ein bisschen. Ich denke, du selbst kannst auch bei mehr als einem nicken, oder? Selbst wenn du noch etwas jünger bist, denn vieles kann dir auch passieren, wenn du noch keine 40 bist. Was leider auch auf den nächsten Punkt zutrifft: Die Zweifel. Denn die wenigsten von uns beschließen, ein Buch zu schreiben und zu veröffentlichen, setzen sich hin und tun genau das. Für die meisten von uns ist der Weg zum Debütroman eine holprige Straße voller Zweifel. Wenn du dich erst später in das Abenteuer Autorin-Sein wagst, machen sich ganz besonders gemeine Zweifel breit.





Die größten Zweifel älterer Debütautorinnen


"Ich habe zu spät angefangen."


Der Klassiker, der auch mich immer wieder quält. Wir vergleichen uns mit viel jüngeren Kolleginnen, die schon mit Mitte Zwanzig den Verlagsvertrag, den Bestseller, die Bekanntheit erreicht haben. Sie haben viel mehr Zeit als wir, um alles aus ihrer Karriere herauszuholen und alles zu erreichen, was sie wollen. Wir gefühlt nicht. Noch dazu sind sie jung und sehen entsprechend jung aus, weshalb Agenturen und Verlage ihnen eher eine lange Karriere zutrauen und Leserinnen besonders bei YA und NA Büchern eher zu ihren Büchern greifen. 


Was wir bedenken sollten: So ein Vergleich hat wenig Substanz. Erstens haben wir auch als Autorinnen Ü40 noch viele Jahre Zeit, um Bücher zu schreiben. Zweitens müssen gerade junge Autorinnen sehr darum kämpfen, ernstgenommen zu werden (von Verlagen und Leserinnen). Und drittens hätten wir die Bücher, die wir jetzt schreiben, mit Mitte Zwanzig gar nicht so schreiben können.


"Ich habe keine Ausbildung als Schriftstellerin."


Die wenigsten von uns haben Literatur oder kreatives Schreiben studiert. Gleichzeitig wissen wir, dass ein gewisses Talent zum Schreiben einiges erleichtert, Schreiben an sich aber ein Handwerk ist, das man erlernen und trainieren kann. Wenn wir also den richtigen Zeitpunkt fürs Literaturstudium verpasst haben, dürfen wir uns dann überhaupt als ernstzunehmende Debütautorinnen aufs Parkett wagen?


Was wir bedenken sollten: Mit über 40 haben wir schon die wichtigste Schule von allen durchlaufen: Die Schule des Lebens. Wenn wir noch dazu bereits über Jahre im stillen Kämmerlein vor uns hin geschrieben haben, haben wir unheimlich viel Übung. Und selbst wenn wir gerade erst mit dem Schreiben anfangen, ist es nicht zu spät, das Handwerk zu lernen. Viel lesen, viel schreiben, bei Lust und Zeit einen VHS-Kurs zum Thema Schreiben absolvieren … Ausdauer und Konsistenz schaffen, was uns kein Literaturstudium der Welt bringen kann: Schreiberfahrung.  


"Der Buchmarkt ist doch längst überfüllt."


Ein Problem, an dem etwas Wahres dran ist. Laut Börsenverein des Deutschen Buchhandels (Buchproduktion - Börsenverein) erschienen 2024 in Deutschland 65.717 Bücher (Erstauflagen und Neuauflagen). Gefühlt kommt man nicht mal dazu, den aktuellen Bestseller zu lesen, da gibt es schon drei neue. Ein Hype jagt den nächsten. Besonders in Trendgenres gehen einzelne Autorinnen komplett in der Masse an Neuerscheinungen unter.


Was wir bedenken sollten: Wie die Tabelle des Börsenvereins zeigt, werden in Deutschland kontinuierlich weniger Bücher veröffentlicht. 2015 waren es noch 89.506. Im Vergleich sind es 2024 also gut 24.000 Neuerscheinungen weniger gewesen. Außerdem ist immer noch Platz für Nischen. Durch Selfpublishing können heute auch Bücher erfolgreich sein, die früher keinen Verlag gefunden hätten. Bestimmt gibt es da draußen Lesende, die genau dein Buch ganz dringend brauchen. Die machen sich nichts aus den 60.000 anderen Büchern. Die wollen genau dein Buch. Willst du es ihnen vorenthalten?


"Was ich zu erzählen habe, interessiert doch niemanden."


Die nächste Quest durch Feindesland, die nächste Lovestory in einem Haus am See, eine weitere gefährliche Liebschaft mit dem CEO oder eine spannende Familiengeschichte vor historischer Kulisse. Auf den ersten Blick alles schonmal dagewesen. Und selbst wenn wir besondere Erfahrungen im Leben gemacht haben, über die wir schreiben wollen; Wen interessiert’s?


Was wir bedenken sollten: Es ist ganz schön egoistisch zu glauben, dass unsere Themen nur uns interessieren und niemanden sonst, oder? Die meisten Lesenden suchen neue Perspektiven. Und sie lieben authentische, einzigartige Stimmen. Selbst der hundertste Aufguss von "Heiße Affäre mit dem Chef" ist garantiert anders als alle anderen, weil er von einer anderen Person geschrieben wurde. (Ein toller Twist wäre mal "Heiße Affäre mit der Chefin")


"Ich kann doch mit dem modernen Buchmarketing gar nicht mehr mithalten."


Zugegeben, dieser Gedanke geistert mir auch noch oft im Kopf herum. Uns Millennials wurden das Internet, Smartphones und Social Media nicht in die Wiege gelegt. Wir mussten das erst lernen und als Ü40-Autorin auf TikTok … Ich sage mal: "steile Lernkurve". Gefühlt müssen wir uns aber damit auseinandersetzen, wenn wir unser Buch veröffentlichen und sichtbar machen wollen. 


Was wir bedenken sollten: Auch mit über 40 können wir Neues lernen. Zwar dauert es vielleicht etwas länger bis wir den Dreh raushaben, aber wenn wir uns die Zeit nehmen, kann etwas ganz Einzigartiges entstehen. Und wir müssen nicht überall sein. Ich bin zum Beispiel nicht auf TikTok aktiv und werde es voraussichtlich auch nie sein. Stattdessen führe ich diesen Blog und meinen Newsletter. Blogartikel und Briefe schreiben liegt uns Autorinnen sowieso mehr als vor Videokameras herumzuhampeln, oder? 😉



Die Vorteile eines späten Schreibstarts


Puh, wenn man sich die Liste der Zweifel so anschaut, könnte man wirklich zu dem Schluss kommen, dass es sich nicht lohnt, mit über 40 noch Bücher schreiben zu wollen. Gefühlt spricht ja alles dagegen, oder? Vielleicht sollten wir das Feld lieber den Jüngeren überlassen.


Doch Halt! Es gibt da noch eine ganze Palette an Gründen, warum gerade wir Ü40er Bücher schreiben und veröffentlichen sollten. Dinge, die jüngere Autorinnen meistens nicht in dem Maße zu bieten haben. Sie machen unser Alter fast schon zu einer Superkraft auf dem Buchmarkt.


  1. Erfahrungsschatz und Wissen


Natürlich kann man auch in jungen Jahren bereits viele Erfahrungen gesammelt und sich Fachwissen angeeignet haben. Aber Jahrzehnte in einem bestimmten Beruf oder einem bestimmten Umfeld können durch kein Studium getoppt werden. Wir älteren Semester haben nicht nur Dinge kennengelernt, sondern sie gelebt. Wir haben unterschiedliche Lebensphasen durchlaufen, Erfolge, Scheitern, Krisen, Abschiede und Neuanfänge. Diesen reichen Erfahrungsschatz merkt man unseren Figuren und Geschichten an.


  1. Geduld und Durchhaltevermögen


Wir mussten schon oft im Leben feststellen, dass Dinge Zeit brauchen und Erfolg selten über Nacht kommt. Wir können geduldig sein und halten durch, auch wenn der Fortschritt sich nur im Schneckentempo zeigt und Absage um Absage ins Haus flattert. Wir haben einen langen Atem und bleiben gelassen. Was nicht heißt, dass wir nicht auch mal am Boden zerstört sind, wenn uns etwas wichtig war. Doch wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich meistens andere Türen öffnen und neue Möglichkeiten entstehen, wenn wir durchhalten und nicht aufgeben.


  1. Motivation und Disziplin


Lass uns ehrlich sein: Wir haben nicht mehr Jahrzehnte lang Zeit, um Bücher zu schreiben, wenn wir die 40 überschritten haben. Das ist Fakt und wir sind uns dessen bewusst. Gerade deshalb wissen wir, dass wir die Zeit nutzen müssen. So ein Buch schreibt sich nicht von allein und oft haben wir schon andere Dinge im Leben geschafft, indem wir uns an einen Plan gehalten haben, anstatt auf den Kuss der Muse zu warten. Also setzen wir uns ran und schalten Ablenkungen aus. TikTok ist uns sowieso zu hektisch, nicht wahr? 😏


  1. Authentizität und Tiefgang


Wir mussten uns schon mit den unterschiedlichsten Menschen beschäftigen und haben gelernt, Widersprüche auszuhalten. Unsere Figuren dürfen komplex sein, tiefe Wunden haben, differenziert denken und handeln. Oft haben wir selbst schon genau das erlebt, was unsere Figuren gebrochen, gestärkt oder gerettet hat. Wir wissen genau, wie sich das anfühlt und können es authentisch zeigen. Lesende merken das


  1. Eigene Stimme


Der eigene Schreibstil, die eigene Stimme, entsteht über Jahre. Viele von uns älteren Autorinnen haben schon lange bevor wir uns ans Veröffentlichen wagen geschrieben und dabei unseren Stil verfeinert. Wir wissen inzwischen auch, was uns liegt und was eher nicht, was wir gerne schreiben und was nicht. Und selbst, wenn wir nicht schon seit Jahren schreiben: Auch jahrelanges, breitgefächertes Lesen formt den eigenen Schreibstil und die eigene Stimme.


  1. Verständnis von Zielen und Erfolg


Mit fortschreitendem Alter haben wir meist schon einiges ausprobiert. Abschlüsse geschafft, ein Haus gebaut, eine Karriere hinter uns, eine Familie gegründet, etc. Wir kennen Erfolg und Misserfolg. Wir wissen, was uns guttut, was wir brauchen und auf was wir lieber verzichten. Anerkennung von außen, schnelle Erfolge, Reichtum und Berühmtheit … Für uns lohnt es sich eher nicht, dies anzustreben. Wir möchten ein fertiges Buch, das Menschen berührt. Leserinnen, die uns erzählen, was unser Buch ihnen bedeutet. Schreiben, was uns bewegt und uns wichtig ist. Dieses Verständnis von Erfolg lässt uns unseren Weg unabhängiger und gelassener gehen.


Dieser Artikel soll natürlich nicht in Bashing jüngerer Autorinnen ausarten. Sie haben Stärken und Probleme, die ältere Autorinnen nicht (mehr) haben. Und im Endeffekt geht es uns ja allen gleich. Wir alle wollen tolle Bücher schreiben. Viele Schwierigkeiten, die uns beim Schreiben und Veröffentlichen eines Debüts so begegnen, betreffen uns alle gleichermaßen. Darum sind meine Tipps für einen erfolgreichen Einstieg als Debütautorin sicherlich auch hilfreich für dich, wenn du jünger bist.





Meine Tipps für den Einstieg als Debütautorin mit über 40


  • Suche dir so früh wie möglich Unterstützung und Austausch.

Mein erster Schritt war damals, einen Instagram-Account einzurichten. Nicht so sehr fürs Marketing, sondern fürs Netzwerk. Und das war neben dem Schreiben selbst der wichtigste Schritt für mich und meinen Weg als Autorin. Freundschaften sind entstanden und halten bis heute. Ich bekomme so viele wertvolle Tipps und Motivation von Kolleginnen. Meinen ersten Verlagsvertrag bekam ich über eine Pitch-Aktion auf Instagram. Aber auch Schreibgruppen oder Kurse sind Gelegenheiten, um in den Austausch zu kommen und Kontakte zu knüpfen. Ich glaube daran, dass niemand diesen Weg alleine gehen sollte. Ein Buch entsteht nicht durch einen einzigen Menschen


  • Lass deinen Perfektionismus lieber früher als später los.

Kein Buch ist perfekt. Kein Weg zum Debüt ist perfekt. Auch du wirst Fehler machen, dich ganz schrecklich blamieren und Dinge hinterher bereuen. Sperr den Perfektionismus also schon mal im Schrank ein oder lass ihn beim Wandern auf dem Berg stehen. Betrachte Fehler als Erfahrung und Gelegenheit zum Lernen. Nimm es mit Humor. Sehr vieles in der Buchbranche liegt außerhalb deiner Kontrolle. Und selbst das, was du kontrollieren kannst, dein eigenes Schreiben, wird nie perfekt sein. Es ist Kunst. Unperfektheit liegt in der Natur der Sache. Embrace chaos!


  • Baue Routinen und einen Plan

Die wenigsten von uns schaffen es, jeden Tag zu schreiben. Müssen wir auch gar nicht. Aber eine gewisse Schreibroutine zu haben, die zu deinem Leben passt, ist Gold wert, wenn du vorankommen willst. Ich empfehle dir, deine Schreibzeit als festen Termin in deinen Kalender einzutragen, sonst ist etwas anderes immer wichtiger als das Schreiben. Falls es dir wie mir geht und du ungefähr 666 weitere Buchideen hast, die alle interessanter sind als dein aktuelles Projekt: Mach dir einen Plan und halte dich daran. Sonst beginnst du alle paar Tage ein neues Projekt, sobald es beim aktuellen schwierig wird, und wirst niemals mit einem Manuskript fertig. Dasselbe gilt für Bewerbungen bei Verlagen oder Marketingmaßnahmen. Mach dir einen Plan. Dann weißt du, was wann dran ist und hältst dich nicht unnötig auf. Und vergiss die Pausen nicht!


  • Suche dir ein Ziel, aber bleib flexibel.

Passend zum vorherigen Tipp: Ein Plan ist immer nur so nützlich, wie ein Ziel klar ist. Natürlich kannst du auch einfach erstmal dein Buch schreiben. Das hat den Vorteil, dass du ganz frei schreiben kannst, was du möchtest und wie du es für richtig hältst. Es verschafft dir aber einen beträchtlichen Vorsprung, wenn du schon während des Schreibens weißt, wohin die Reise geht. Möchtest du bei einer Agentur unter Vertrag genommen werden, in einem Kleinverlag veröffentlichen oder die maximale Freiheit des Selfpublishings ausprobieren? Wenn du dein Ziel kennst, kannst du genau darauf hinarbeiten.


Etwas Flexibilität solltest du dir aber immer bewahren, denn in der Buchbranche kommt es sehr oft anders als geplant. Viele Dinge kannst du nicht kontrollieren. Zum Beispiel, ob dein Manuskript einer Agentur zusagt, ob ein Verlag es annimmt, ob dein Marketing als Selfpublisherin erfolgreich ist. Nutze dein Ziel als Kompass, aber sei bereit, den Kurs zu ändern.


  • Glaub an dich und geh deinen Weg

Es ist toll und extrem motivierend, wenn Familie und Freunde hinter dir stehen, an dich glauben und dich anfeuern. Aber verlasse dich nicht allein darauf. Wenn es dein Traum ist, dein Buch zu schreiben und zu veröffentlichen, musst du aus dir selbst heraus die Motivation dazu entwickeln. Die wenigsten werden verstehen, was du da tust und warum es dir so wichtig ist, dass du dafür deine Zeit und dein ganzes Herzblut gibst. Manchmal verstehst du es ja selbst nicht. Manche werden dich nicht ernst nehmen oder sogar versuchen, es dir auszureden oder es ins Lächerliche zu ziehen. Hör nicht auf sie. Reagiere gar nicht darauf. Sie sind Unwissende. Es ist dein Traum und es ist ein guter und du kannst ihn wahr machen. Egal, was andere sagen.



Was wirklich zählt: Nicht das Alter, sondern das Manuskript


Aber was ist denn nun dran an "zu spät"? Ist es nur ein Gefühl oder Fakt, dass wir mit über 40 einfach zu spät dran sind als Debütautorinnen? Stimmt es, dass Agenturen und Verlage keine älteren Autorinnen wollen?


Bei Kleinverlagen scheint mein Alter keinerlei Rolle zu spielen. Bei einer Agentur oder einem großen Publikumsverlag habe ich mich bisher noch nicht beworben. Ich kann mir schon vorstellen, dass man dort bei Debütautorinnen aufs Alter achtet, bevor man viel Geld und Zeit in eine ältere Autorin steckt. Immerhin handelt es sich um Wirtschaftsunternehmen. Allerdings bin ich mir sicher, dass an erster Stelle als Auswahlkriterium immer noch nur eins steht: Das Manuskript. 


Das Manuskript muss gut sein. Und wenn es dann auch noch ins Verlagsprogramm passt, in den Markt passt, in die Zeit passt, ist das Alter der Autorin wenig relevant. Und Lesende interessieren sich sowieso 0,0 dafür, wie alt eine Autorin ist, solange das Buch sie vom Hocker reißt. Also mach dich nicht wuschig mit der Frage nach dem Alter oder ob es zu spät für dich ist. Schreib das beste Buch. Schreib das Buch, dass nur du schreiben kannst. Dafür ist es nie zu spät.



Fazit: Der beste Zeitpunkt ist jetzt


Für das Schreiben und Veröffentlichen gilt das Gleiche wie überall im Leben: Der beste Zeitpunkt ist jetzt. Dein Alter ist kein Hindernis, sondern kann sogar ein Vorteil sein. Deine Superkraft. Du hast alles, was du brauchst. Und was dir noch fehlt, sammelst du unterwegs noch ein. Es ist ein langer Weg, aber ein schöner. Ich gehe ihn sehr gerne und freue mich über jede Autorin, besonders jede ältere, die sich ebenfalls auf den Weg macht.

 

Meine eigene Reise zum Debüt kannst du in meinem Newsletter und hier im Blog mitverfolgen. Lies gern mein Interview und meinen Artikel darüber Wie ich das Schreiben aufgab


Lesende interessieren sich für deine Geschichte, nicht für dein Alter. Sie wollen hören, was du zu sagen hast. Deine Perspektive einnehmen. Deine Stimme kennenlernen. Sich mit deinen Themen auseinandersetzen. Lass dir von einer Debütautorin Ü40 sagen: Es lohnt sich, mutig zu sein und deinem Traum zu folgen. Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass du es nicht bereuen wirst. Also ran an die Tasten (oder den Stift) und rein ins Abenteuer Debütroman. Und wenn du noch Fragen hast, Motivation brauchst oder dich austauschen möchtest, schreib mir gerne. 


Hast du Interesse an einer Vernetzung von Debütautorinnen und -autoren über 40? Dann freue ich mich, von dir zu hören. Vielleicht können wir gemeinsam etwas starten.



Auf Wiederlesen!

XOXO

Harlow 🖤







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Hi, ich bin Harlow,

Autorin magischer Bücher mit queeren Figuren zum Träumen, Fühlen und Nachdenken.

 

Willkommen auf meiner Hexeninsel, wo die Grenzen zwischen den Welten durchlässig sind.

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Fantasy-Autorin fueled by Chai Latte und dem dringenden Bedürfnis, die Bilder aus ihrem Kopf in Worte zu fassen.

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