Autorinnen FAQ – Die 5 häufigsten Fragen an Schreibende
- Harlow

- 7. März
- 13 Min. Lesezeit
Was wolltest du eine Autorin immer schon mal fragen? Ich wage zu behaupten, dass ich deine Fragen schon kenne. Und das nicht, weil ich sie in einer Glaskugel gesehen habe. Es gibt einige Fragen, die Autorinnen immer wieder gestellt werden. Wenn du selbst schreibst, hast du sie bestimmt auch schon gehört, egal ob du etwas veröffentlicht hast oder nicht. In diesem Blogbeitrag beantworte ich fünf dieser häufig gestellten Fragen.

Ich habe bisher noch gar nichts veröffentlicht. Trotzdem wurden mir die folgenden Fragen schon gestellt. Also dachte ich mir, schreibe ich meine Antworten darauf einfach mal hier gesammelt auf, damit ich immer auf diesen Artikel verweisen kann. 😁 Lass uns gar nicht lange fackeln. Das hier sind die fünf (einhalb) meistgestellten Fragen an Autorinnen und meine Antworten darauf. Du kannst sie entweder alle hintereinander durchlesen oder mit Klick auf eine Frage direkt zu der Frage springen, deren Antwort dich gerade am meisten interessiert.
Woher kommen deine Ideen?
Die Frage nach der Quelle meiner Ideen finde ich immer etwas seltsam. Ich glaube, das geht den meisten Autorinnen so. Es ist selbstverständlich keine dumme Frage, aber eine, die sich Schreibenden so gut wie nie stellt. Ich selbst und alle Autorinnen, mit denen ich bisher darüber gesprochen habe, haben eher zu viele Ideen als zu wenige. Klar, ab und zu steckt man in einem Manuskript fest und weiß nicht weiter. Aber an Grundideen für Geschichten mangelt es nicht.
Ich denke, drei Grundvoraussetzungen machen möglich, dass Autorinnen nie an Ideenknappheit leiden:
Wir haben durch eigene Erfahrungen im Leben Themen gesammelt, über die wir immer wieder schreiben. Bei mir sind das z.B. Themen wie Familienbeziehungen, Verantwortung vs. Freiheit, Verlust, Küstensettings und das Meer, Hexen, und vieles mehr.
Wir sind leidenschaftliche Beobachter des Lebens und unendlich neugierig.
Guck mal, der Typ an der Bushaltestelle mit dem komischen Hut. Wo der wohl hin will? Was soll der Hut? Und wieso hat er so einen altmodischen Koffer dabei?
Sofort springt das Geschichten-Hirn an und spinnt sich etwas zurecht. Auch in Gesprächen schnappen wir Dinge auf, oft nur Kleinigkeiten. Die lassen uns dann nicht mehr los, verbinden sich mit anderen Kleinigkeiten und – schwupps – Idee für eine Geschichte ist da.
Wir denken gern weiter und "out of the box". Am Kern der meisten Geschichten liegt die Frage "Was wäre, wenn ...". Damit kann selbst die langweiligste Ausgangssituation spannend werden. Autorinnen stellen sich diese Frage ständig und weil unser Hirn unglaublich kreativ ist, sind die Antworten entsprechend interessant.
Eine häufige Antwort auf die Frage, woher Ideen kommen, ist auch: Ich habe davon geträumt. Auch für mich sind meine Träume eine Ideenquelle. Im Schlaf zieht das Gehirn manchmal Verbindungen und liefert Ideen, auf die wir im Wachzustand nie gekommen wären. Durch einen Traum kam ich zum Beispiel auf die Idee für meine Wolken-Dilogie (kommt 2027). Ich träumte von einem Hotel am Meer, das sich wie ein Zuhause anfühlt. Daraus wurde irgendwann die Frage "Was wäre, wenn ein Hoteldirektor nach Jahren Besuch von dem Mann bekäme, mit dem er das Hotel einst aufbaute, und merkt, dass er noch immer Gefühle für ihn hat?"
Nicht zu unterschätzen ist Inspiration durch Bücher anderer Autorinnen oder auch aus Filmen, Serien, Kunstwerken, Blogartikeln, etc. Wer Output will, braucht zuerst Input. Das heißt, viel und divers lesen (bzw. anschauen) kurbelt die Ideenmaschine im Kopf an.
Bei meiner Wolken-Dilogie hat mich zum Beispiel Mr. Parnassus’ Heim für magisch Begabte von TJ Klune sehr inspiriert. (Sprich: Ich fand die Kinder darin irgendwann leicht nervig und wollte mehr von Arthur und Linus lesen. 😅)
Außerdem, und an dieser Stelle Sorry an alle introvertierten Caochpotatoes, bringt es unheimlich viele Ideen, unterwegs zu sein. Reisen, ausgehen, mit anderen Menschen ins Gespräch kommen ... Ich selbst bin introvertiert und ziemlich faul und andere Menschen gehen mir schnell auf die Nerven. (Please don’t judge me ... or do, I don’t care, honestly. 😏) Aber ich liebe es, zu verreisen, und ich führe gerne ehrliche, tiefgründige Zweier-Gespräche. Beides hat mich schon auf tolle Ideen gebracht.
Überhaupt: Gespräche sind eine extra Erwähnung wert. Nicht nur für die initiale Ideenfindung, sondern auch wenn man mal feststeckt, hilft es dem Autorinnen-Hirn auf die Sprünge, sich mit anderen Menschen zu unterhalten. Oder auch mit dem Haustier, denn das Gegenüber muss in solchen Gesprächen nicht mal besonders viel sagen. Es reicht schon, wenn man die Autorin einfach reden lässt. Etwas auszusprechen ermöglicht uns, einen anderen Blickwinkel einzunehmen, das große Ganze zu sehen und selbst auf Lösungen zu kommen.
Ganz nach dem Motto "Kleinvieh macht auch Mist": Auf Pinterest herumscrollen, achtsam spazieren gehen, online Story Prompts suchen, gelangweilt Löcher in die Luft starren, morgens ein bisschen länger liegen bleiben, die Treppe statt den Aufzug nehmen, mal wieder auf dem Spielplatz rutschen, eine Tasse fallen zu lassen ... ALLES kann einer Autorin Ideen bringen. (Aber bitte lauf jetzt nicht in die Küche und schmeiß dein ganzes Geschirr auf den Boden. 😅 Geh lieber schaukeln.)
Wie erschaffst du deine Figuren?
Auch die Frage, wie man Charaktere erschafft, kommt mir komisch vor. Hauptsächlich, weil ich sie nur sehr schwer beantworten kann, denn gefühlt sind meine Figuren schon da, bevor ich mit ihnen arbeite. Es ist für mich weniger ein Erschaffen, sondern eher ein Treffen und Kennenlernen. Den genauen Ablauf kann ich kaum beschreiben, weil er fließend ist.
Es gibt Autorinnen, die setzen sich hin und füllen seitenweise Charakterfragebögen aus, schreiben Tagebucheinträge aus Sicht einer Figur oder führen Interviews. Das mache ich alles nicht. Ich habe es ausprobiert, aber es hat die Figur für mich nicht lebendig werden lassen.
Bei mir beginnt es meistens mit einer Idee für eine Geschichte und der oben erwähnten Frage "Was wäre, wenn ...". Die ursprüngliche Idee für meine Wolken-Dilogie – "Was wäre, wenn ein Hoteldirektor nach Jahren Besuch von dem Mann bekäme, mit dem er das Hotel einst aufbaute, und merkt, dass er noch immer Gefühle für ihn hat?" – beinhaltete erstmal gar keine Details zu den Figuren. Die entstanden erst gemeinsam mit der Handlung und gleichzeitig kristallisierte sich das Thema heraus.
Das passiert bei mir immer organisch und Hand in Hand. Idee ist da, wird weitergedacht, Setting kommt dazu, ein paar Charaktereigenschaften der Figuren, woraus sich ihre Handlungen ergeben, woraus sich nach und nach das Thema zeigt. Rinse and Repeat.
Der ganze Prozess wird begleitet durch Fragen wie:
Was ist eigentlich das Problem der Figuren?
Was wollen sie erreichen?
Was hält sie zurück?
Welche Wünsche und Ängste haben sie?
Wie handeln sie aufgrund ihrer Ziele, Probleme, Wünsche und Ängste?
Wozu führt ihr Handeln?
Die letzte Frage führt zurück zur Handlung bzw. dem Plot der Geschichte, der sich aus den Figuren ergibt, aber auch auf sie einwirkt. Es ist ein Wechselspiel, weswegen ich auch immer im Wechsel plane. Es geht um die Handlung, dann wieder um die Figuren, dann springe ich zurück zur Handlung, dann sind wieder die Figuren dran, usw.
Und: Das findet alles ganz lange nur in meinem Kopf statt. Leidenschaftliches Tagträumen. Irgendwann fange ich an, es aufzuschreiben, aber zu dem Zeitpunkt ist schon sehr viel gelaufen. Schriftlich plane ich die Eckpfeiler der Handlung und fange dann auch schon schnell an mit dem Schreiben der Rohfassung. Dabei lerne ich meine Figuren erst richtig kennen. Und manchmal überraschen sie mich mit ihren Entscheidungen.
Viele Autorinnen behaupten, ihre Figuren entwickeln irgendwann ein Eigenleben und tanzen ihnen auf der Nase herum. Andere Autorinnen können das gar nicht nachvollziehen, denn schließlich gibt es die Figuren ja nicht als eigenständige Lebewesen. Ich gehöre zu ersteren. Meine Figuren sind für mich wie real existierende Leute. Da kommt es vor, dass ich von ihnen Reaktionen verlange, weil die Handlung das in dem Moment so vorsieht, aber ich kann sie nicht dazu bringen. Keine Chance. Denk dir was anderes aus, Frau Autorin.
Zum Thema Aussehen von Figuren: Das entsteht bei mir während des Schreibens. Oft habe ich selbst noch kein klares Bild der Figur vor Augen, wenn ich anfange zu schreiben. Manchmal merke ich in Kapitel 5, dass ich noch gar nichts zum Aussehen der Hauptfigur geschrieben habe. Dann gehe ich zurück und suche eine Stelle, an der ich das gut unterbringen kann. Aber ich gehe nicht so sehr ins Detail. Erstens kenne ich selbst noch gar keine Details und zweitens vergessen Lesende die Einzelheiten sowieso wieder.
Eine Testleserin meines Projekts Shellrock hat mir mal gesagt, dass sie sich den blonden Charakter immer mit dunklen Haaren vorstellt und den braunhaarigen mit blonden. 😏Eine genaue äußerliche Beschreibung einer Figur ist also oft überflüssig. Sie kann auch manchmal richtig nerven, wenn zum Beispiel an zehn verschiedenen Stellen im Buch von den himmelblauen Augen des Protagonisten die Rede ist. (Ja, schuldig im Sinne der Anklage.)
Interessant ist auch die Namensfindung für Figuren. Bei manchen Figuren habe ich sofort einen Namen im Kopf. Den kriege ich dann meistens nur schwer wieder weg, weil ich mich so daran gewöhnt habe. Bei anderen muss ich klassisch Vornamenlisten durchforsten. Besonders in der Fantasy oder in historischen Werken sind Namen natürlich wichtig. Ich persönlich halte nichts von super langen, komplizierten Fantasynamen, die niemand aussprechen kann.
Vielleicht auch noch interessant für dich: Ich achte beim Casting meiner Figuren auf Diversität und Ausgewogenheit, aber ich habe keine Checkliste, die ich dabei abhake. Es muss im Kontext der Geschichte und des Settings Sinn ergeben. Queer sind meine Hauptfiguren allerdings immer, aber das ergibt ja auch in jedem Setting und jeder Geschichte Sinn. Da meine Hauptfiguren meistens männlich sind, gibt es bei mir manchmal einen leichten Männerüberschuss. Das finde ich aber nicht weiter schlimm, denn die weiblichen und nicht-binären Figuren, die da sind, spielen wichtige Rollen. Und es geht ja nicht um Quantität, sondern um Qualität.
Wie sieht dein Schreibprozess aus? (Und wie lange brauchst du für ein Buch?)
Ups, jetzt habe ich schon unter der Frage, wie ich Figuren erschaffe, meinen Schreibprozess beschrieben. Na ja, dann kommt hier die grobe Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie ich ein Buch schreibe.
Idee – Ich habe eine Idee und denke darauf herum. Sehr lange. Wochen, Monate, manchmal Jahre.
Brainstorming – Ich schreibe alles zu der Idee auf, was mir so eingefallen ist. Inzwischen achte ich dabei schon automatisch auf wichtige Punkte wie Ziel, Motivation, Ängste der Figuren, Figurendynamiken, passendes Setting, passendes Genre, Konflikte, etc.
Sortieren – Ich sortiere meine Notizen und arbeite Figuren, Handlung und Thema heraus. Das alles noch recht grob. Die Details ergeben sich beim Schreiben. Aber die unter 2. genannten wichtigen Punkte mache ich möglichst fest.
Figuren – Ich halte wichtige Bausteine der Figuren schriftlich fest. Hauptfiguren bekommen eine Motivation, ein Ziel, Charaktereigenschaften (möglichst welche, die sie am Erreichen ihres Ziels hindern), Wünsche und Ängste, und – ganz wichtig – ein Bedürfnis. Ein Bedürfnis ist das, was die Figur eigentlich wirklich braucht oder lernen muss, was ihr aber nicht bewusst ist. Aus dem Bedürfnis heraus ergibt sich das Thema.
Handlung – Anhand dessen, was ich über Figuren, Thema und Handlung weiß, ordne ich einzelne Handlungspunkte (im Englischen gern Beats genannt) nach einem 3-Akt-Modell an. Grob gesagt in Einleitung, Hauptteil und Schluss.
Wichtig: Der Handlungsverlauf ergibt sich aus den Figuren. Daher finden Punkt 4 und 5 bei mir im Wechsel statt.
Schreiben – Ich beginne mit dem Schreiben der Rohfassung. Dabei hangele ich mich an der Planung entlang, aber in der Regel ergibt sich beim Schreiben noch so viel, dass der Plot am Ende ganz anders aussieht, als ursprünglich geplant. Manchmal ändert sich sogar das Genre. Projekt Shellrock war z.B. eigentlich als Cozy Fantasy geplant. Heraus kam mystische Contemporary Fantasy mit Schauerelementen. 😅
Ich setze mir immer ein Wortziel für ein Manuskript, meistens 80.000 bis 100.000 Wörter. So weiß ich in etwa, wann welcher Beat stattfinden sollte (der Mittelpunkt macht sich halt am besten in der Mitte. 😏)
Überarbeiten – Ich schreibe recht langsam, dafür aber schon in der Rohfassung stilistisch sauber. Trotzdem dauert die Überarbeitung meistens lang. In der Regel schiebe ich eine Testleserunde ein und überarbeite dann nochmals. Wenn dich interessiert, wie genau ich überarbeite, sag Bescheid. Dann schreibe ich darüber vielleicht einen eigenen Blogbeitrag.
Lektorat oder Einreichung – Das Manuskript kommt ins Lektorat bzw. ich reiche es bei Verlagen oder Agenturen ein und es wartet erstmal in der Schublade, bis es damit weitergeht.
Eine auch recht beliebte Frage an Schreibende, die auch mit dem Schreibprozess zusammenhängt, ist: Bist du Plotter oder Pantser? Oder auch: Bist du Architekt oder Gärtner? Plotter (bzw. Architekten) planen ihre Geschichten vor dem Schreiben sorgfältig und mehr oder weniger detailreich. Pantser (bzw. Gärtner oder Discovery Writer) schreiben einfach drauf los und gucken, was kommt.
Wie so vieles im Leben ist Plotter vs. Pantser ein Spektrum und die meisten Autorinnen liegen irgendwo in der Mitte. Die meisten Pantser planen zumindest grobe Eckpunkte der Handlung, an denen sie entlangschreiben können, und selbst bei den präzisesten Plottern passiert noch so viel während des Schreibens, sodass sie ihre Pläne anpassen müssen.
Ich selbst bin auch ein Mischmasch. Die wichtigsten Eckpunkte brauche ich, um überhaupt losschreiben zu können. Aber sehr Vieles, besonders bei den Figuren, ergibt sich erst während des Schreibens. Man sollte flexibel bleiben. Gerade bei charakterzentrierten Geschichten wie meinen machen die Figuren oft nicht, was sie sollen. Und da die Handlung sich bei mir immer nach den Figuren richtet, ändert sie sich entsprechend auch.
Bonusfrage: Wie lange brauchst du für ein Buch?
Wie gesagt, ich schreibe langsam. Und aufgrund meiner vielen anderen Verpflichtungen habe ich fürs Schreiben nicht so viel Zeit. Für die Rohversion eines Romans mit 80.000 Wörtern Umfang brauche ich daher mindestens sechs Monate reine Schreibzeit. Davor steht die Planung, danach die Überarbeitung.
In der Buchbubble kursieren immer wieder wilde Takes wie "Ein Buch kann gar nicht gut sein, wenn es innerhalb eines Monats geschrieben wurde" oder "Wenn du für ein Buch drei Jahre brauchst, nimmst du das Schreiben nicht ernst genug". Beides halte ich für absoluten Unsinn.
Ich kann nur für mich sprechen. Ein von mir geschriebenes Buch ist definitiv nicht gut, wenn ich nur einen Monat dafür gebraucht habe. Ich brauche (viel) länger für ein Buch, gerade weil ich das Schreiben ernst nehme. Und mein Buch. Und meine Leserinnen. Bei mir geht Qualität über Quantität. Minderwertiges gibt es nicht erst seit KI-Büchern schon genug da draußen. Das ist meine Arbeitsweise und heißt nicht, dass ein schneller geschriebenes Buch einer anderen Autorin automatisch schlecht ist. Als Leserin kümmert es mich tatsächlich überhaupt nicht, wie lange es gedauert hat, ein Buch zu schreiben.
(Wobei ich sagen muss: "Piranesi" von Susanna Clarke war jahrelang in der Mache. Und das merkt man einfach. Kein Mensch hätte dieses Buch innerhalb ein paar Wochen so schreiben können. Und diese Art Bücher sind meine persönliche Messlatte für mein eigenes Schreiben.)
Wie viel von dir steckt in deinen Geschichten?
Mehr als mir lieb ist. Und ich glaube, das geht sehr vielen Autorinnen so. Im Englischen sagt man "Write what you know", also "Schreibe, was du kennst". Das wird oft so interpretiert, dass man nur über Dinge schreiben sollte, die man schon mal gemacht hat, über Menschen wie man selbst, über Orte, an denen man schon gewesen ist. Ich verstehe darunter aber "Schreibe über etwas, das du selbst gefühlt hast".
Niemand schreibt so gut über das Mutter-Sein wie eine Mutter. Niemand schreibt so gut über Verlust wie ein Mensch, der selbst jemanden verloren hat. Niemand schreibt so gut über die Kraft der Liebe, den Mut zum Neuanfang, die Angst vor dem Unbekannten wie eine Person, die dies alles am eigenen Leib erfahren hat.
Autorinnen packen all diese Erfahrungen und Gefühle und Themen in ihre Charaktere. Manchmal sehr direkt, indem die Figur genau das gleiche erlebt wie die Autorin. Meistens jedoch versteckt. Die Buchfigur erlebt etwas anderes als die Autorin, aber das Gefühl dahinter, das Thema, ist das gleiche.
Ich schreibe zum Beispiel viel über Verantwortung, besonders in familiären Beziehungsgeflechten. Das ist in meinem eigenen Leben ein großes Thema und beschäftigt mich. Wenn einer der Protagonisten in Projekt Shellrock zwischen Freiheitsdrang und familiärer Verantwortung zerrissen ist und unter der Last zusammenzubrechen droht, dann weiß ich genau, wie sich das anfühlt. Denn ich habe es erlebt. Natürlich in einem anderen Kontext, aber im Grunde ist es das gleiche Gefühl.
Meiner Meinung nach sind dies die besten Geschichten. Sie gehen nicht nur der Autorin an die Substanz. Ich habe beim Schreiben von Projekt Shellrock an so manchen Stellen geweint, weil es mir so nah ging. Leserinnen spüren das. Oft wissen sie selbst, wie sich etwas anfühlt, weil sie es auch erlebt haben. Ging dir das nicht auch schon mal so? Du liest etwas und nickst. "Ja, ich weiß genau, wie sich das anfühlt." Oder du bist zu Tränen gerührt, vollkommen verzweifelt, kicherst vor dich hin ... Du fühlst mit. Weil die Geschichte authentisch ist. Weil die Autorin wusste, was sie da schrieb, und keine Angst davor hatte, ihr Herzblut in ihre Geschichte zu stecken.
Vielleicht ist es das, was Ernest Hemingway meinte, als er über das Schreiben sagte: "All you do is sit down at a typewriter and bleed." ("Alles, was du tust, ist, dich an eine Schreibmaschine zu setzen und zu bluten.")
Wie wird man Autorin?
Folge einfach Hemingways Ratschlag: Setz dich an die Schreibmaschine und blute. Na gut, ganz so martialisch ist die Sache natürlich nicht, aber zu schreiben ist das Wichtigste. Wenn du Autorin werden willst, dann schreib. Mehr brauchst du nicht.
Aber vermutlich war dir das schon klar und du wolltest eher wissen, welche konkreten Schritte du unternehmen musst, um ein Buch zu veröffentlichen. Der Ablauf ist eigentlich ganz einfach:
Lies viel.
Schreibe viel.
Schreibe eine Geschichte mit einem Umfang von über 50.000 Wörtern.
Veröffentliche deinen Text online für alle kostenlos zum Lesen oder mache ein E-Book und ein gedrucktes Buch daraus, das du verkaufen kannst oder schicke es an einen Verlag, damit er ein E-Book und ein gedrucktes Buch daraus macht und es verkauft.
Wiederhole Schritte 1 bis 4 so oft du kannst.
So einfach und so schwer ist es. Jeder dieser Schritte birgt eine Reihe von Gefahren. An jedem Punkt im Prozess kann etwas schiefgehen. Und, glaub mir, etwas wird schiefgehen. Murphy's Law. Alles, was schiefgehen kann, wird schiefgehen.
Seitdem ich lesen kann, habe ich viel gelesen. Und fast zur gleichen Zeit habe ich angefangen, Geschichten zu schreiben. Es war mir ein Bedürfnis, zu schreiben. Die Geschichten wollten raus. Ich weiß, dass es vielen Autorinnen so geht. Nicht immer fangen wir schon als Kinder an zu schreiben, aber wenn wir einmal angefangen haben, sprudelt es nur so aus uns heraus.
An irgendeinem Punkt habe ich beschlossen, etwas zu schreiben, das sich veröffentlichen lässt. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass ich noch mehr Anleitung brauche. Talent macht es etwas leichter, aber Schreiben ist ein Handwerk und das Handwerk zu lernen, bringt dich weiter als jedes Talent. Ich habe Schreibratgeber gewälzt, Youtube-Videos von Autorinnen und Schreibcoaches angesehen, Romane analysiert. Ohne das hätte ich es nie geschafft, mein erstes 100.000-Wörter-Manuskript fertigzustellen und so zu schreiben, dass man es veröffentlichen kann.
Und noch etwas anderes hat mir sehr geholfen: Gemeinschaft und Austausch. Instagram war damals für mich das Mittel der Wahl. Dort habe ich viele tolle Schreibende, Lektorinnen, Verlagsmenschen kennengelernt, die bereit waren, ihr Wissen mit mir zu teilen. Eine Community ist so wertvoll. Glaub bloß nicht, dass du es ganz allein schaffst. Du brauchst ein Netzwerk. Du brauchst die anderen. Autorin wird man nicht allein.
Autorin zu werden ist an sich nicht so schwer. Autorin bleiben ist oft schwerer. Darum wäre die wichtigere Frage eigentlich "Wie bleibt man Autorin?". Die einfache Antwort darauf: Niemals aufgeben. Egal, was passiert. Hör nicht auf zu schreiben.
Aber die meisten Autorinnen können es sowieso nicht lassen. 😉
Noch Fragen?
So, wären damit alle deine Fragen an Schreibende beantwortet? Nein?
Oookay, dann bleibt dir nichts anderes übrig, als mir zu schreiben und deine Frage zu stellen. Vielleicht ist sie ja so interessant, dass ich ihr einen ganzen Blogbeitrag widme. Check aber vorher mein Selbst-Interview. Darin beantworte ich auch einige Fragen und vielleicht findest du dort schon Antworten.
Auf Wiederlesen!
XOXO
Harlow 🖤






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